Warum ich nicht stille

Die Frage, ob ich stillen möchte, habe ich mir nie gestellt. Mir ging immer eine ganz andere Frage durch den Kopf. Werde ich stillen können? Hab ich genügend Milch, ist alles so wie es sein sollte und wird meine Tochter den Weg finden? Für mich war von Anfang an klar, dass ich stillen möchte. Solange ich kann und meine Tochter und ich zufrieden sind. Kurz vor der Geburt versorgte ich mich mit allen Stillutensilien die man benötigt. Kissen, Bh´s, Stilleinlagen, auch Cremes, Kompressen und Hütchen wanderten in meinen Einkaufskorb. Ich war bestens vorbereitet, ich war bereit und ging mit einem guten Gefühl ins Krankenhaus. Meine Hebamme hatte mir beim Vorgespräch schon gesagt, dass ich mir keinen Stress machen soll und wir das hinbekommen, auch wenn es im Krankenhaus nicht auf Anhieb klappen sollte.

Noch im Kreißsaal legte ich meine Tochter das erste mal an, sie fand den Weg auf Anhieb und es klappte fürs erste Mal ganz gut. Die Hebamme meinte, die Voraussetzungen wären super und das ich bestimmt keine Probleme mit dem Stillen haben werde. Ich war überglücklich, nicht nur die Geburt war super, sondern auch mein Wunsch ging in Erfüllung. Doch leider kam es doch anders als gedacht. Meine Tochter hatte hunger, sie wurde hektisch, ich wurde unsicher. Sie schaffte es einfach nicht aus der Brust zu trinken. Es kam einfach zu langsam, zu wenig Milch. Die Unterstützung und Voraussetzungen für ein entspanntes Stillen, waren im Krankenhaus alles anderes als perfekt und ich fühle mich wahnsinnig unwohl.

Zu Hause angekommen war der erste Weg in unser Bett, meine Tochter und ich kuschelten uns ein und schliefen erstmal eine Runde. Mein Hebamme hatte sich für den nächsten Tag angekündigt und ich war einfach froh zu Hause zu sein. Am selben Abend merkte ich aber noch was es bedeutet, wenn die Milch einschießt, Halleluja, ich schickte meinen Mann erstmal los eine Milchpumpe besorgen. Meine Tochter wollte patu nicht an der Brust trinken. Wir pumpten die Milch ab und gaben sie ihr mit der Flaschen. Langsam ging mir der Gedanke durch den Kopf, was ist, wenn es einfach nicht klappt? Doch ich hatte gar nicht viel Zeit, groß darüber nachzudenken. Ich stellte meine Gefühle und Gedanken hinten an und wollte einfach nur das mein Baby satt und zufrieden war. Am nächsten Tag bekam ich ganz viele tolle Tipps von meiner Hebamme, wir probierten alles aus, aber leider wollte es einfach nicht klappen. Ich entschied mich die Milch weiterhin anzupumpen und sie mit der Flasche zu füttern. Mir ging es gut damit, ich war zufrieden und entspannt. Meine Hebamme versichertet sich immer wieder, ob es für mich okay so ist, wie es ist und ich war wirklich zufrieden mit der Situation, ich danke ihr für die tolle Unterstützung und das sie meine Entscheidung akzeptiert hat und nicht versucht hat mich zu irgendwas zu überreden. Heute 4 Monate später bin ich das immer noch und ich bereue es keinesfalls. Mein Baby hat die wichtige Muttermilch bekommen und wächst und gedeiht bis heute mit ihrer Flasche.

Es hat weder unsere Bindung geschadet, noch mir. Ich weiß, dass sich viele Mütter als schlechte Müttern ansehen, wenn sie nicht stillen können. Darüber habe ich nie nachgedacht, ich bin immer ganz locker damit umgenagen und habe bis heute ein gutes Gefühl.

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27 comments

  1. Auch wenn ich noch nicht mitreden kann, finde ich es ehrlich gesagt total egal, wie das Kind am Ende gefüttert wird, solange sich Mama und Kind wohlfühlen. Daher finde ich, ist man keine schlechte Mutter – mach dir keine Gedanken!

  2. Ich hatte auch immer Sorge, ob es überhaupt klappen würde. Dann kam meine Tochter als Frühchen, zu schwach um an der Brust zu trinken. Ich habe auch abgepumpt und es immer wieder mit dem Stillen versucht, bis sie kräftig genug war. Dann hat es zum Glück noch geklappt und ich habe 13 Monate gerne gestillt. Aber wenn es nicht geht, geht es eben nicht und ich finde toll, dass du deiner Tochter trotzdem die Muttermilch ermöglicht hast!

    Liebe Grüße
    Britta von http://www.fulltime-mami.blogspot.com

  3. Ich als absolute Langzeitstillmama, 4 Kinder gestillt, die kleinste wird mit jetzt 18 monaten auch noch gestillt, finde es voll in Ordnung das du nicht stillst und du deswegen natürlich keine schlechtere bindung zum Kind hast oderso. Schade das die Voraussetzungen nicht gepasst haben, vielleicht bei einem nächsten Kind?

    Lg aus Norwegen
    Ina

    http://www.mitkindimrucksack.de

    1. Ich würde es auf jeden Fall wieder versuchen, man ist ja nun auch ein kleines bisschen schlauer. Aber ich habe ja auch bisher gut gesehen, dass es auch so gut klappen kann. Also werde ich beim zweiten noch weniger Druck haben 🙂

  4. Ich habe zwar keine Kinder, aber deine Gedanken und Gefühle bei dem Thema zu lesen, ist wirklich interessant. Vor allem „..viele Mütter als schlechte Mütter ansehen…“ hat leider viel damit zu tun, weil es dieses genaue Bild von einer „guten“ Mutter geben muss, was sie machen soll, wie sie handelt soll usw usw. Ich denke, dass jeder selbst am besten weiß, das für ihn und sein Kind gut ist und wie man gewisse Dinge tun soll 🙂 Deine Einstellung ist klasse!

    Ganz liebe Grüße
    Alina :*
    http://www.blackbeachchair.com

    1. Das stimmt liebe Alina, man wird gesellschaftlich teilweise ehr unter Druck gesetzt. Jeder hat ein anderes Bild einer perfekten Mutter und oft passt man dann in das Bild gar nicht rein. Vielen Dank für deine lieben Worte 🙂

  5. Also ich bin zwar keine Mama, aber ich weiß von meiner Schwester (die leider nicht Stillen konnte weil die Milch einfach nicht kommen wollte) dass es manchmal einfach nicht anders geht. Ich finde keiner ist eine schlechte Mutter nur weil man nicht stillt und sowieso hat niemand das Recht über eine Mutter zu behaupten sie sei aus irgendeinem Grund schlecht… Ich wünsch dir noch ein paar schöne Feiertage! Liebe Grüße Jacky

  6. Hallo,

    also mir ging es ähnlich wie dir … ich war top vorbereitet und wollte unbedingt. Leider hat es dann in Folge im Krankenhaus nicht geklappt. Meine Kleine hatte angeblich zu wenig zugenommen und meine Milch war auch nicht ausreichend (das wurde beim abpumpen festgestellt) … ich habe mich wahnsinnig unter Druck gesetzt gefühlt und es nicht geschafft mich gegen die Ärzte und Schwestern zu wehren. Es wurde im Krankenhaus zugefüttert und das war der Anfang vom Ende :-(. Ich habe Wochenlang zu Hause abgepumpt und zusätzlich Fläschchen gemacht … meine Milch wurde immer weniger und irgendwann waren es dann nur mehr Fläschchen.

    Ich finde es nur ganz schlimm, wie andere „Übermamis“ immer auf Mütter losgehen die nicht stillen. Egal ob jemand stillen kann und nicht möchte oder es aus anderen Gründen ablehnt. Es geht einfach niemanden etwas an und was für Mutter und Kind passt, kann einfach nicht falsch sein!

    Liebe Grüße
    Verena

    1. Ich weiß genau was du meinst, unsere Betreuung war im Krankehaus auch alles andere als optimal.
      Ich denke das hat auch zum Teil dazugeführt, dass es einfach nicht geklppt hat. 🙁

  7. Also ich wurde auch nicht gestillt, weil meine älteren Geschwister immer so einen Terz gemacht haben, dass meine Mutter es gar nicht erst probiert hat. Glaube nicht, dass es mir geschadet hat ?
    Haha wird schon alles gut sein ?
    Lieben Gruß
    Jil

    1. Ach ich glaube auch nicht das es schadet. Es gibt ja auch Frauen die einfach keine Milch haben. Da müssen die Kinder ja auch was anderes bekommen. Ich denke auch das die heutige Ersatzmilch um einiges Verbessert wurden.

    1. Sehr gerne 😉 Es ist einfach nur meine Erfahrung, meine Geschichte mit dem Stillen, man darf sich einfach nicht unter druck setzen lassen. Denn meistens sind die Reaktionen von anderen ausschlaggebend und nicht die eigenen Gedanken.

    1. Man sollte jeden in seiner Entscheidung unterstüzen, egal wie man es selber machen würde.
      Ich unterstütze jeden der sagt er möchte Stillen, andererseits aber auch die die sagen, es funktioniert nicht oder ich möchte es nicht.

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